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Um mich vor den Hunden zu schützen, legte ich mir ein paar Steine zum werfen bereit, brauchte sie aber nicht. Mein Pfefferspray war leider seit ein paar Tagen leer, wie ich einst bei versuchter Hundeabwehr feststellte.
Als ersten Akt des Tages überquerte ich die Grenze nach Israel und bekam auch wie gewünscht auf eindringliches Bitten hin die Stempel auf ein Extrablatt und nicht in den Reisepass, da ich sonst mit diesem viele arabische Länder nicht mehr besuchen könnte. Bei der israelischen Sicherheitskontrolle musste ich die Laufräder ausbauen und das so zerlegte Rad durch die Röntgenmaschine schieben. Danach wurden von vier Angestellten meine vier Packtaschen durchwühlt, was ich mit den Worten: “Willkommen zur Präsentation meines Zuhauses! Das ist meine Küche, mein Bad, meine Werkstatt etc..” einleiten durfte. Im einpacken müssen die Leute aber noch etwas üben.
In Eilat ereillten mich dann einige Schocks. Wie lange war es her, dass ich eine so saubere, moderne Welte gesehen habe. Hübsche Frauen joggten hier mit ungewohnt wenig Bekleidung am Strand entlang. Nach 4 Wochen in muslimischen Ländern fallen einem da fast die Augen raus… Auch die Preise haben sich auf einmal um einiges vervielfacht. Da kann ich mich schonmal gut an Zuhause gewöhnen.
Mit dem Bus fuhr ich nach Be’er Sheva, wo mich Mike abholte und micht im Hause seiner Eltern anständig verpflegte. Abends gingen wir auf eine Studentenparty, meine erste Party seit Monaten.

Passend zum Abschied vom Radelalltag begann der letzte Tag mit einem Platten auf der Voraderradfelge. Aber da das Wetter war gut und meine Laune super und so flickte ich mit Genuss. Lior von den Tel Aviv-Riders, die uns 2004 bei der Fahrt nach Jerusalem begleiteten, beschrieb mir den Weg abseits der Autobahn nach Jerusalem und so fand ich ihn leicht. Ein letztes Mal Luft tanken war an der Tankstelle angesagt um optimale Bedingungen für den Zieleinritt herzustellen.
Bevor es in die Berge nach Jerusalem ging, was immerhin auf 800m Höhe liegt, fuhr ich flott durch leicht hügeliges Flachland für 50km. Unterwegs traf ich einen Rennradler, der sehr interessiert am Radreisen war und mir von seinen Tourplänen im Sommer erzählte. Er war schon der zweite, der von der vor mir liegenden Steigung mit großem Respekt sprach. Es seit einer der schwierigsten Anstiege in Israel. Aber statt mir Angst zu machen, förderte das eher meinen Ehrgeiz und die Spannung. Am Fuß der Steigung sprach ich kurz mit einem weiteren Radler, der gerade mit dem Auto in meiner Richtung nach Hause fuhr und mich auf eine Pause in seine Wohnung einlug, welche in sieben Kilometern am Ende der der Steigung, welche auch er mit Respekt ansprach, lag. Daraufhin mobilisierte ich alle Kräfte um den wirklich steilen Berg (15%) zu bezwingen und wünschte mir manchmal noch ein paar Gänge unter dem ersten Gang zu haben. Nach dem Ende der ersten, schwierigeren Hälfte ging es leicht bergab und danach begann ein zweiter Anstieg.

Allerdings verabschiedete sich gerade dort, nach dem Ende der ersten Steigung meine Hinterradnabe endgültig ca. 20km vor dem Ende der Reise. Sie war ja schon seit Äthiopien irgendwie kaputte, ließ sich aber mit leichten Einschränkungen dennoch fahren. Jetzt kann man allerdings die Zahnradkasette in jede Richtung frei drehen, d.h. die Kraft wird nicht mehr auf das Rad übertragen. Trotz der Unannehmlichkeit brachte mich dieses Ereignis eher zum lachen als das ich mich ärgerte. Anscheinend hat die Nabe einfach die außergewöhnlich starke Kraft beim Erklimmen des ersten Anstiegs nicht überstanden. Allerdings kam für mich überhaupt nicht in Frage, mich auf dem letzten 20km von einem Auto mitnehmen zu lassen. Da die Strecke eh sehr hügelig war, entschied ich mich für die Taktik, des bergauf schiebens und berag ab rollens. Nach fünf Kilometern harter Arbeit erreichte ich das Haus des Radlers, der mich eingeladen hatte und ruhte ein paar Minuten bei ihm aus. Er ist selbst fahrradfanatisch und hat einige große Touren hinter sich. Deshalb hat er auch einige Fahrräder und Ersatzteile bei sich herumliegen und lieh mir ein Hinterrad für den Weg nach Jerusalem.
Mit dem Ersatzrad meisterte ich die letzten Anstiege und kam, wegen zeitlicher Verzögerungen durch die Panne, im dunkeln bei Gadi in Jerusalem an, den ich berits von meiner letzten Tour nach Jerusalem kannte.